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Hamburg – Berlin im smoothen Team

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Lissie und die starken Männer.

Hamburg-Berlin stand an und ich hatte keine Lust. Die Erinnerung an die Tortur des letzten 300ers war noch frisch und das vergangene Wochenende hatte ich damit zugebracht, in den Böhmischen Bergen mit meiner Form hadernd der Gäng hinterherzufahren. Ein Streit mit Mänz gab sein Übriges, um meine Vorfreude gen Null sinken zu lassen. Schlechte Aussichten für Dirk S., der zugesagt hatte, Julias Teamplatz einzunehmen – „aber nur wenn Liszt gute Laune hat“.

Zum Glück wurde dann doch alles viel besser als befürchtet. Am Bahnhof kaufte ich mir eine Packung „Gute Laune Mix“ bei DM und schloss Frieden mit Mänz. So vorbereitet konnten wir auch Dirk und Christian P. einsammeln. Super-Säppie, unser fünftes Teammitglied, musste leider passen wegen krank. Die Bahnfahrt nach Bergedorf verbrachte ich mit Carbo- und Bierloading, der Gute-Laune-Mix zeigte etwas Wirkung, das Bier tat sein Übriges. Pünktlich um 23 Uhr lagen wir in Geesthacht im Bett und schliefen durch bis um fünf. Vorher nochmal Wetterbericht checken: Wenn wir uns nicht zu sehr beeilten, könnten wir trocken durchkommen.

Gut gelaunt um 6:50 h? Drei Kaffee machens möglich.

Morgens verstaue ich das vorsichtshalber mitgeführte Raceblade zusammen mit den Regenüberschuhen im Rucksack. Knielinge, Armlinge, Windweste, das soll reichen für den milden Herbsttag, der uns erwartet. Die Herren Früh-Frühstücker haben es eilig, zum Buffet zu kommen, das leckerer ausfällt, als ich es in Erinnerung habe. Hauptsache nicht jetzt schon überfressen… 6:50 h Start, ab in den Frühnebel! Wir haben vorher nicht groß über das Tempo gesprochen, „Hauptsache ich komme mit“, war meine einzige Vorgabe. Christian legt eine angenehme Pace vor, nicht langsam, aber auch nicht so schnell, dass mir das Frühstück wieder hochkommt. So kann es von mir aus weitergehen.

Schnell rollen wir die ersten Fahrer auf, manche hängen sich für eine Weile hinten rein, manche gehen mit durch die Führung – nett gemeint, lieber Liegeradfahrer! – und alle fallen irgendwann hinten raus. Bei unfähigen Gruppenfahrern hilft Christian auch mal nach, indem er kurz über 40 peitscht. „Eat my dust“ wäre ein würdiger Trikotaufdruck für ihn. Zu mir sind die Teammitglieder zum Glück freundlicher, die gefürchtete Hitzacker-Gebirgskette verliert bei moderatem Tempo ihren Schrecken. Wir kurven über Feldwege – hallo, Ziehharmonikaeffekt! – nehmen eine Offroad-Passage, weil der Garmin es so will, und sind bald in Dömitz an der Kontrollstelle. Huch, ging ja schnell.

Hunger hab ich keinen, aber es gibt die leckeren Frühstücksbrötchen, nur diesmal leider in belegt. Kann ich keine Rücksicht drauf nehmen und vergesse, dass ich Käse auf dem Rad nicht so gut vertrage. Das fällt mir erst wieder ein, als es weitergeht. Zum Glück bleibt der Fahrstil der Begleiter so human wie vor der Pause und ich danke es mit anhaltend solider Laune, die sich nichtmal verschlechtert, als der Track uns über 2 Kilometer Offroad-Passage schickt. Derweil halte ich mich weiter an die Empfehlung des Großmeisters: Führungen mitgehen, aber nicht lange vorne bleiben. Vor Havelberg wird die Straße nasser und der Asphalt rauer und der Wind nervt auch langsam, wird Zeit für Kaffee!

Nass war’s auch, aber meistens von unten.

Den nehmen wir beim Bäcker des örtlichen Nettomarkts ein, Dirk will derweil Wasser holen. Schlechte Idee, denn alle Havelberger wollen gerade einkaufen. Wir erwägen kurz, einen Suchtrupp in den Markt zu senden, doch nach einer halben Stunde hat sich Dirk zur Kasse durchgebissen und wir können irgendwann weiter. Einen Kilometer bis zur örtlichen Bedürfnisanstalt. Inzwischen dürfte das halbe Teilnehmerfeld an uns vorbeigerollt sein, die meisten fangen wir dann aber bald wieder ein. Irgendwo vor Paulinenaue treffen wir auf eine schnelle Gruppe. Wir hängen uns rein, gehen durch die Führung, das Rudel wächst und wird für meinen Geschmack zu unruhig. Jeder, der nach vorne kommt, legt noch mal was drauf, meistens aber nicht für lange und hinten sitzen Typen die dreimal treten und dann wieder rollen lassen. Mir ist das irgendwann zu anstrengend und ich muss raus, am besten raus aus der ganzen Gruppe. Hinter mir entsteht ein Loch, ich lasse mich fallen, gucken wo der Rest der Gäng steckt. Huch, die Gruppe ist inzwischen ja ein richtiges Feld geworden, das nun leider an uns vorbeizieht. Zum großen Bedauern von Mänz, der weiter hinten saß und die Beine hochlegen konnte. Immerhin können wir den matschigen Radweg, der jetzt kommt, jetzt ganz alleine genießen und in Ruhe Räder und Gesichter panieren.

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Nur Dreck!

Statt auf der B5 Autofahrer zu ärgern nehmen wir den verkehrsarmen Weg Richtung Falkensee, ich merke inzwischen nicht nur meine Beine, sondern auch meinen Magen. An Überfressung kann das diesmal echt nicht liegen, ich schwör! Vielleicht war das Gel schlecht? Ich freue mich jedenfalls auf den Eintopf am Ziel, doch vom Wassersportheim Gatow trennen uns noch ein paar Kilometer und ungefähr 20 Ampeln in Falkensee, die alle rot sind. Alle! Ich wusste auch garnicht, dass Spandau so eine monströse Suburb hat, Falkensee zieht sich wie Wetten Dass …? Immerhin beschwert sich in Spandau niemand, dass wir den benutzungspflichtigen Radweg ignorieren. Unsere Schlammschicht wirkt vermutlich zu abschreckend. Kurz vor Schluss gehen bei Dirk die Lichter aus – kein Wunder, der hat sich auf den letzten 270 Kilometern auch gut ins Zeug gelegt. Auf Sparflamme rollen wir die letzten Meter zum Ziel. 15:52 h ist es, Zeit für Eintopf!

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